Im Kanu auf Neckar zwischen Bad Wimpfen und Heidelberg - Oster-Paddel-Tour

Ostern 2011. Schon wieder Kaiserwetter!
Bad Wimpfen war zwar nur Königspfalz, ist aber idealer Startpunkt für eine Paddeltour auf dem Neckar in Richtung Odenwald. Wenn die Zeit reicht, muss man sich das mittel­alterliche Städtchen unbedingt ansehen. Am Ruder­club gibt es die perfekte Einsatzstelle - und los geht die Fahrt.
Mark Twain war bei seinem "Bummel durch Europa" (1878) vom Neckar sehr beeindruckt und schrieb: "Deutschland ist im Sommer der Gipfel der Schönheit, aber niemand hat das höchste Ausmaß dieser sanften und friedvollen Schönheit begriffen, wirklich wahrgenommen und genossen, der nicht auf einem Floß den Neckar hinab gefahren ist. Die Bewegung des Floßes ist gerade die richtige; sie ist träge, gleitend, sanft und geräuschlos; sie beruhigt alle fiebrige Betriebsamkeit, schläfert alle nervöse Hast und Ungeduld ein; unter ihrem beruhigenden Einfluß schwindet jeglicher Ärger, Verdruß, Kummer, der den Geist quält, und das Leben wird zum Traum, ein Zauber, eine tiefe und stille Verzückung."
Ab 1921 wurde der Neckar zur Schiffahrtsstraße ausgebaut, seine Strömung wurde duch 27 Schleusen gebremst und so waren wir in unseren Kanus wahrscheinlich genauso beschaulich unterwegs wie damals Mark Twain. Wir - das waren drei Bootsbesatzungen: Rike&Andy, Kerstin&RalfGü. und wir zwei - und nicht zu vergessen - Kerstins Hund Elli. Übernachtet wurde auf Campingplätzen, die am Neckar gerade ausreichend vorhanden sind. Um unsere Autos samt Gepäck nachzuholen, hatten wir unsere Falträder (Brompton) dabei und RalfGü. ein Liegerad. Und so durften wir nach der Paddelei immer noch eine schöne kleine Fahrrad­tour erleben, auf gut ausgebautem Radweg das Neckarufer entlang.
Die Staustufen stellen keine schwierigen Hindernisse dar, vorausgesetzt man hat einen Bootswagen dabei; die für Kanus vorgesehenen Schleppwagen sind nicht an allen Schleusen in gutem Zustand. Einmal wurden wir von einem besonders netten Schleusenwärter geschleust. Dankeschön! Wir trafen trotz blauen Himmels nur sehr wenige Paddler, abgesehen von einigen Rückwärtspaddlern (Ruderern). Die absolvierten aber meistens nur zwischen zwei Schleusen ihre Trainingsfahrten - und dann noch mit dickem Ballast an Bord in Form eines Steuermanns.
Zwischen Bad Wimpfen und Heidelberg hat sich der Neckar ein windungsreiches Tal in den Bunt­sandstein gegraben und der gibt auch den vielen Burgen ihre typische rötliche Farbe. Später fließt der Neckar in die flache, etwas lang­weilige Rheinebene hinaus, deshalb beendeten wir in Heidelberg unsere Tour.
Einen Besuch wert ist das Neckartal auch heute noch, jedoch hatte Mark Twain das Glück, dass es die Bundes­straßen noch nicht gab, die teilweise sogar auf beiden Ufern den Neckar begleiten. Neben der Verbauung als Schifffahrtsstraße ist das der Hauptgrund, weshalb der Neckar von uns deutlichen Punktabzug erhält. Möchte man sich die malerischen mittel­alterlichen Städtchen und Burgen im reizvollen Neckartal vom Paddelboot aus ansehen, so muss man leider auch die Straßen­geräusche in Kauf nehmen, insbesondere, wenn im Frühling der behelmte Herr Hirnfrei dröhnend sein Stahlross ausreitet. Vielleicht sollte man die Tour lieber bei Schlechtwetter unternehmen?
Schöne Landschaft, viel zu sehen, aber auch viel Lautes zu hören, also leider doch nur: