Weinachtsmärkte 2019

Im letzten Jahr hatten wir unsere erste längere Weihnachts­markt­tour unternommen. Für richtige Outdoor-Touren sind die Dezember­tage meist zu kurz und das Wetter ist häufig auch zu hässlich. Aber bei einer Weihnachts­markt­tour sind wir auch gemeinsam unterwegs und ein bisschen an der frischen Luft.

Diesmal hatten wir nicht ganz so viel Zeit wie im letzten Jahr, deshalb musste die Runde etwas kleiner werden: Unsere Wahl fiel auf Schwaben und Franken. Wir waren ganz früh in der Adventszeit unterwegs, die Weihnachts­märkte hatten erst vor kurzem geöffnet, einmal waren wir auch genau zur Eröffnung dort.

Wenn man so wie wir in seinem rollenden "Hotel" übernachten kann, dann sind drei Weihnachts­märkte an einem Tag durchaus realistisch. Wir haben die Tour zu Hause am PC schon gründlich vorgeplant, um nicht bei der Suche nach Park- und Über­nachtungs­plätzen zu viel Zeit zu vertrödeln. Es ist meist auch viel einfacher, die Park­möglich­keiten am PC zu finden, als unterwegs. Da wir auch gern ein bisschen laufen, müssen die Park­plätze auch nicht sehr nah an den Weihnachts­märkten liegen.

Unsere erste Station war Ulm. Vom Parkplatz in Neu-Ulm auf der anderen Donau­seite konnten wir noch ein Stückchen an der Donau entlang laufen und hatten so einen schönen Blick auf die Ulmer Altstadt mit dem imposanten Münster. Auf den Turm des Münsters stiegen wir diesmal nicht, dafür war es zu kalt und zu windig.

Der Ulmer Weihnachts­markt beschränkt sich auf den Platz vor dem Münster. Selbst an diesem Donnerstag Mittag wurde es dort schon recht voll. Bei einem Besuch vor vielen Jahren auf dem Ulmer Weihnachts­markt haben wir schon mal erlebt, wie brechend voll es dort in den Abend­stunden sein kann. Komisch, dass der Weihnachts­markt nicht auf andere freie Flächen in der Innen­stadt ausgedehnt wird, z.B. auf den Markt­platz vor dem bunt bemalten Rathaus. Wir schlenderten noch ein wenig durch die engen Gassen an der Blau und dann ging es schon zu unserer nächsten Etappe nach Göppingen.

Auf der Fahrt dorthin gab es in Geislingen an der Steige einen kleinen Stau direkt neben dem Werks­verkauf von WMF. Normalerweise sind wir ja keine "Schnäppchen­jäger", aber wenn man ohnehin steht, kann man ja auch mal kurz nach­schauen, was die Württem­bergische Metall­waren­fabrik so anzu­bieten hat. In unserer Küche sollten ohnehin ein paar Werk­zeuge ergänzt und ersetzt werden, dort fanden wir alles, was wir haben wollten zu unschlagbaren Preisen.

Göppingen wirbt mit dem ver­lockenden Begriff "Wald­weih­nacht", dahinter verbarg sich allerdings ein ganz normaler, durch­schnittlicher, kleiner Weih­nachts­markt, auf dem ein paar Nord­mann­tannen uninspiriert verteilt waren.

Ganz anderes sah es dagegen in Esslingen aus, dort hatten wir uns mit Eva verabredet. Esslingen nutzt die gesamte historische Innen­stadt für eine Kombination aus einem "modernen" und einem Mittel­alter-Weih­nachts­markt. Besonders der Mittel­alter-Weihnachts­markt passte sehr gut in die historische Kulisse. Dort gab es Handwerker­stände, lustige Spiel­buden vom Axt­werfen bis zum Mäuse-Roulette und sogar ein kleines muskel­betriebenes Riesen­rad. Dazu natürlich auch verschiedenste Verkaufs­stände und leckeres Essen und Getränke. Gemütlich und sehenswert. Abends stiegen wir dann noch eine ewig lange Treppe zur Burg hinauf (die eigentlich ein Teil der ehemaligen Stadt­befestigung ist) und hatten einen schönen nächtlichen Blick über die Stadt. Dort oben gibt es einen größeren Parkplatz und wenige Wohn­mobil­stellplätze.

Am nächsten Vormittag gingen wir erst mal in Waiblingen in die Schwimm­halle, die Weihnachts­märkte öffnen ja meist erst mittags. Danach fuhren wir nach Stuttgart. Die Weihnachts­märkte ziehen sich dort vom Schloss­platz in der Nähe des "großen Lochs" beim Haupt­bahnhof über den Hof des alten Schlosses bis zum Rathaus. Alles ganz hübsch, aber nicht spektakulär.

Richtig über­raschend war dagegen Bad Wimpfen. Das ganze kleine Städtchen war weihnachtlich beleuchtet und schon von weitem leuchtete die Silhouette der Stadt über dem Neckar. Der Weihnachts­markt wurde gerade feierlich eröffnet und es gefiel uns richtig gut dort.

Als dritte Station für diesen Tag hatten wir uns die "Haller Weihnacht" in Schwäbisch Hall heraus­gesucht. Schwäbisch Hall hatten wir uns schon einmal angesehen, als wir den Kocher gepaddelt waren: viele kleine Gassen und eine schöne Fachwerk-Partie am Fluss. Dafür, dass Hall fast sechs mal so groß wie Bad Wimpfen ist, war der Weihnachts­markt im Verhältnis viel zu klein. Hall nutzt nur den Markplatz für seinen Weihnachts­markt, obwohl sich auch dort passende verkehrs­freie Flächen durch die ganze Stadt ziehen. Entsprechend voll war es auf dem Markt, über den man aber eine sehr schönen Blick von der großen Treppe vor der Kirche "St. Michael" hat. Nach einer ausgiebigen Runde über den Markt landeten wir am Ende in einer Brauerei­schänke am Kocher, denn den Rundgang durch das historische Städtchen wollten wir uns nicht nehmen lassen.

Die erste Station des dritten Tages war der "Reiterles­markt" in Rothen­burg ob der Tauber. Den Massen­tourismus hat man in Rothen­burg ja das ganze Jahr über gut im Griff. Obwohl es auch dort recht voll war, konnte man sich aber gemütlich durch die vielen Gassen und Plätze treiben lassen. Und abseits des zentralen Trubels war kaum jemand unterwegs, wir drehten noch eine schöne Runde entlang der Stadtmauer.

Von Rothenburg folgten wir der Romantischen Straße Richtung Süden, zuerst nach Dinkelsbühl. Auch dieses sehenswerte mittel­alterliche Städtchen hatten wir uns schon bei einer Paddel­tour angesehen; dort sind wir auf der Wörnitz gestartet. Im Gegen­satz zu Rothenburg hat Dinkel­sbühl den Durch­gangs­verkehr nicht aus der historischen Altstadt verbannt, obwohl ein Straßen­ring außerhalb der Stadt­mauer um die Stadt herum führt. Der Autoverkehr zwischen den vielen Fachwerk­häusern mindert erheblich den Charme des historischen Ambientes. Der Weihnachts­markt selbst fand im großen Innenhof des Heilig­geist­spitals statt und war sehr liebevoll und gemütlich gestaltet. In Innen­räumen gab es auch noch einen Kunst­markt. Insgesamt fanden wir den Dinkels­bühler Weihnachts­markt "klein aber fein".

Der letzte Ort an diesem Tag war für uns Nördlingen, mitten in der ebenen Weite im Nördlinger Ries gelegen. Auch hier umschließt die noch komplett samt Stadt­toren erhaltene Stadt­mauer den historischen Ortskern. Einige große Park­plätze sind außerhalb der Stadt­mauer zu finden, so dass sich der Auto­verkehr im Inneren in Grenzen hält. Wir übernachteten allerdings etwas abseits beim Freibad, wo wir ganz einsam standen. Der Weihnachts­markt zieht sich vom Kirch­turm "Daniel" quer durch die Stadt. Eine Besonder­heit dort war der "gestachelte Weizenbock". Den sollen die Küfer erfunden haben: ein sehr heißer Metallstab wird in das Bier getaucht, wodurch ein Teil des im Schaum enthaltenen Zuckers karamellisieren soll. Kann man machen, muss man aber nicht.

Am Sonntag Morgen war das Wasser im Kanister gerade noch nicht gefroren - die richtige Temperatur für eine wirklich erfrischende Morgenwäsche.
Nach einem gemütlichen Frühstück fuhren wir dann nach Neuburg an der Donau, das lag sowieso auf unserem Rückweg nach München. Die Schloss­weihnacht gibt es dort nur an zwei Advents­wochen­enden, sie soll sehr schön sein. Auch die Deko des Weihnachts­marktes beim Bootshaus hätten wir uns bestimmt angesehen, für beides waren wir aber zu früh. Nur auf dem Schrannen­platz gab es einen kleinen Weihnachtsmarkt.

Auch die Ingolstädter Altstadt hat noch ihre historische Struktur als ehemalige Festungs­stadt mit einem umlaufenden Ring. Im Inneren gibt es einige Fuß­gänger­bereiche und freie Plätze, die sich anbieten würden. Der Weihnachts­markt kann sich aber bezogen auf die Einwohner­zahl überhaupt nicht sehen lassen, der war echt mickrig für so eine reiche Stadt (mal abgesehen von der Eislauffläche auf dem Paradeplatz). Wenn man bedenkt, dass Erfurt nur anderthalb mal so viele Einwohner hat und was dort auf die Beine gestellt wird oder erst in Bad Wimpfen mit einem Zwanzigstel der Einwohner von Ingolstadt.

Und da sind wir schon bei der Zusammen­fassung unserer Tour: Mit den schönsten Weihnachts­märkten unserer Tour im letzten Jahr konnten nur Esslingen und Bad Wimpfen mithalten, Rothenburg war auch ganz hübsch. Stuttgart erreicht im Gesamtvergleich gerade mal das Mittelfeld. Göppingen und Ingolstadt kann man getrost auslassen. Aber schön war die Tour trotzdem und eine frühe Einstimmung auf die Adventszeit. Mal sehen, wo es beim nächsten Mal hingeht, am Harz soll es einige schöne Weihnachtsmärkte geben...